Die Wahrheit macht einsam
Der Rücktritt des Bundespräsidenten und seine Begleitmusik lassen mich in irgendeiner Weise nicht los. Es berührte mich zutiefst, wie der Präsident seine kurze Botschaft vom Blatt las und immer wieder einen seltsam entsetzten Blick in die Kamera richtete. Was mich in gleicher Weise anrührte, war die Gattin des Bundespräsidenten: still und mit einem seltsamen Lächeln – so wirkte es jedenfalls auf mich – stand sie neben ihrem Mann. Und dann verließen die beiden Hand in Hand – wie ein Liebespaar – den Ort der Verkündigung. Auch wenn ich Horst Köhler nicht meine Stimme gegeben hätte, wäre ich Wahlmann gewesen, so gehörte ihm in diesem Moment mein ganzes Mitgefühl. Irgendwie muss er wohl sehr verletzt worden sein. Über das Interview über den Krieg in Afghanistan dagegen musste ich lauthals lachen, als ich davon in den Nachrichten hörte. Ich dachte mir: Er sagt die Wahrheit, etwas unbeholfen vielleicht. Auch missverständlich. Aber das darf man einfach nicht: Die Wahrheit sagen. Zumal als Politiker. Wo kämen wir da hin, wenn jeder dem anderen unverblümt die Wahrheit ins Gesicht sagen würde?
2010-06-04 22:17:19 | (0) Kommentare | Permalink | einsortiert in: Thema 1
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